Ökostrom in Lüneburg an der Universität
Geschrieben von Christian in Ökostrom, tags: Erneuerbare Energie, ÖkostromDass Studierende eine der zentralen Zielgruppen für Ökostrom sind, ist kein Geheimnis. Die meisten Studierenden ziehen häufiger um und sind daher bei jedem Umzug auf der Suche nach einem neuen Stromanbieter. Die meisten Studenten-WGs sind ohnehin alternativer und offener für Öko-Produkte, wie Ökostrom und Biogas. Außerdem ist die Wechselaffinität bei jungen Leuten deutlich höher, als bei älteren. Kein Wunder also, dass der Markt von Ökostromanbietern mehr und mehr erschlossen wird. Jetzt wurde an der Universität Lüneburg eine Aktionswoche abgehalten, um weitere Studierende für Ökostrom zu gewinnen.
Stromwechsel-Picknick, so heißt die Initiative an der Uni Lüneburg. Lockangebote: Kaffee und Tee, damit fängt man Studierende. Ort: vor der Mensa. Der Preis: ein kurzer Informationsvortrag zum Thema Ökostrom – ein guter Preis für eine Tasse leckeren Kaffee. Denn in dem Vortrag wird weniger Werbung für einen bestimmten Stromanbieter gemacht, als vielmehr ganz allgemein auf Ökostrom, Ökostrompreise und den Wechsel zu einem Ökostromanbieter hingewiesen. Die Studierenden wirken im großen und ganzen begeistert von der bundesweiten Aktionswoche des Netzwerks “Klimagerechte Hochschule”.
Die meisten Studentinnen und Studenten zeigen sich sehr interessiert an Ökostrom, haben in der Vergangenheit oft selbst schon den Wechsel von Stromanbieter und Stromtarif in Erwägung gezogen, sich aber nicht richtig getraut. Uli, ein 24 Jahre alter Student der Germanistik erzählt, dass er und seine zwei WG-Mitbewohner schon einige Male darüber diskutiert hätten und zu dem Schluss gekommen seien, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. Er wäre von der WG damit beauftragt worden, Informationen einzuholen und den Wechsel durchzuführen. Da er nicht wusste, wo er hätte anfangen sollen, hat er es immer wieder vor sich hergeschoben, bis er es schließlich ganz vergessen hatte.
“Oft sind sich Studis nicht bewusst, wie einfach ein Wechsel zu einem guten Ökostromanbieter ist”, zitiert die TAZ den Asta-Ökologiereferenten der Uni Lüneburg, Timo Eckhardt. Uli hört eine Weile zu, macht sich Notizen.Gleich nach der Vorlesung, so sagt er, wolle er zu hause im Internet einmal die Preise einem Stromvergleich in Lüneburg unterziehen. Ein Student, der nebenbei steht, empfiehlt ihm dazu einen Online-Strompreisvergleich, der zufällig auch in Lüneburg seinen Sitz hat: Preis.de. Preis.de betreibt seit einiger Zeit einen Stromvergleich. Durch Eingabe der Postleitzahl und des Stromverbrauches kann man so die in seiner Gegend verfügbaren Stromtarife vergleichen und auf Wunsch gleich zu einem günstigen Stromtarif wechseln. Philipp Schrader, Geschäftsführer von Preis.de, bestätigt die Vermutung: “Fast jeder dritte Kunde, der seinen Stromanbieter über Preis.de wechselt ist unter 30 Jahren. Davon wechselt wiederum jeder zweite zu einem Ökostromtarif. Das Umweltbewusstsein bei den Studierenden und Unter-30-Jährigen ist offensichtlich besonders hoch.”
Doch die Initiative will nicht nur die Studierenden der bundesdeutschen Universitäten dazu bringen, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln, sondern vor allem auch die Universitäten selbst. Diese hätten nämlich “eine besondere Verantwortung in der Gesellschaft”, so Chris Kunig, Politikstudent aus Marburg. Und nicht wenige Universitäten nehmen diese Verantwortung sehr ernst: die Uni Marburg zum Beispiel stellt ab Ende 2010 auf Ökostrom um – richtigen Ökostrom, fügt ein weiterer Mitarbeiter hinzu, “kein Greenwashing und Ökostrom-Schummel mit RECS-Zertifikaten, wie z.B. Vattenfall das tut.” Diese RECS-Zertifikate sind nämlich käuflich zu erwerben. Sie gewährleisten lediglich, dass eine bestimmte Menge Ökostrom irgendwo in Europa produziert worden ist – meistens in alten, ineffizienten Wasserkraft-Anlagen in Norwegen. Der Stromanbieter kauft diese Zertifikate und damit eine Art Freibrief, seinen eigenen Atomstrom und Kohlestrom als grünen Strom zu deklarieren. Greenwashing lautet die polemische Bezeichnung der Umweltaktivisten für diese Methode.
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